Ihr Strompreis

In Deutschland unterliegen die Strompreise engen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Einige Bestandteile sind von den Regulierungsbehörden festgelegt, bei anderen gibt es strenge Regeln, wie sie gebildet werden dürfen. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um die Zusammensetzung Ihres Strompreises.

Wie setzt sich der Strompreis in Bad Nauheim zusammen?

Der Strompreis besteht im Wesentlichen aus drei großen Kostenblöcken:

  1. Steuern, Umlagen und Abgaben
  2. Entgelten für die Netznutzung
  3. Beschaffung, Vertrieb, Service

Knapp 75 Prozent des Strompreises sind staatlich reguliert, lediglich 25 Prozent entfallen auf die Energiebeschaffung, Vertrieb und Service. Nur dieser letzte Kostenblock ist von Energielieferanten wie den Stadtwerken Bad Nauheim beeinflussbar – durch eine ausgeklügelte Beschaffungsstrategie und effiziente Prozesse in Vertrieb und Service.

Die Stadtwerke Bad Nauheim haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Kunden stets so günstig wie möglich mit Energie zu versorgen. Das bedeutet auch, dass Kunden von Preisvorteilen, die wir bei der Beschaffung oder durch andere Veränderungen erzielen, immer profitieren. Im Umkehrschluss heißt das: In Zeiten steigender Beschaffungspreise ist unser Spielraum für das Abfedern von Preissteigerungen gering.

Wie verändert sich der Strompreis zum 1. Januar 2020?

Zum Jahreswechsel gibt es in allen drei Kostenblöcken, aus denen sich der Strompreis zusammensetzt, Veränderungen. Die Mehrkosten können wir intern nicht auffangen. Aus diesem Grund steigt bei den Stadtwerken Bad Nauheim der Grundpreis zum 1. Januar 2020 über alle Tarife hinweg um 24,00 Euro brutto pro Jahr und der Arbeitspreis für die Kilowattstunde Strom erhöht sich in fast allen Tarifen um 1,82 Cent brutto (Ausnahme: Verbrauchsstufe I im Tarif SWBN.MeinStrom).

Bei einem durchschnittlichen Haushalt in Bad Nauheim mit einem jährlichen Verbrauch von 2.000 Kilowattstunden bedeutet die Preisänderung im Standardtarif SWBN.MeinStrom rund 5,04 Euro brutto mehr im Monat.

Weil insbesondere die Netzentgelte für Bad Nauheim steigen, wird der Strom in Bad Nauheim generell teurer – unabhängig vom Lieferanten! Denn dieser Preisbestandteil ist abhängig vom Wohnort, nicht vom gewählten Stromanbieter. Festgelegt werden die Netzentgelte zentral von der Landesregulierungsbehörde.

Welche Gründe hat das?

Abgaben: Zum Jahreswechsel steigen die staatlichen Lasten an, die von den Stadtwerken Bad Nauheim mit dem Strompreis erhoben werden müssen. Sie dienen vor allem der Finanzierung der Energiewende. Mehr dazu lesen Sie in der Frage „Welche Abgaben und Umlagen sind im Strompreis enthalten?“. In Summe steigen sie um 0,39 Cent auf 7,803 Cent netto pro Kilowattstunde.

Netzentgelte: Die Netzentgelte machen rund 22,75 Prozent des Strompreises aus. Sie steigen für ganz Bad Nauheim ab dem 1. Januar 2020 an – unabhängig vom gewählten Stromanbieter. Auf die Höhe der Netzentgelte haben die Stadtwerke Bad Nauheim keinen Einfluss. Sie wird nach festen Parametern von der Landesregulierungsbehörde festgelegt. Für die Berechnung spielen die Kosten für den Netzbetrieb und -ausbau eine Rolle, ebenso die Struktur des Netzes und Vergleichsdaten von ähnlich aufgestellten Betreibern. Die Stadtwerke Bad Nauheim sind gesetzlich verpflichtet, die Netzentgelte zu erheben, abzuführen und in der Jahresverbrauchsabrechnung detailliert aufzuführen.

Beschaffung: Die Preistendenz an den Handelsplätzen für Energie zeigt seit etwa drei Jahren nach oben. Allein in den vergangenen zwei Jahren sind an den Handelsplätzen für Energie die Kosten für Strom um 50 Prozent gestiegen. Weil die Stadtwerke Bad Nauheim jedoch strukturiert beschaffen, werden die Preisrisiken für Verbraucher minimiert. Auf diese Weise ist es uns gelungen, dass sich steigende Preise an den Beschaffungsmärkten nicht eins zu eins auf den Strompreis für unsere Kunden auswirken.

Einen Großteil der Strommengen, die unsere Kunden brauchen, kaufen wir in Tranchen ein, begonnen wird damit bis zu zwei Jahre im Voraus. Dies geschieht nach definierten Regeln im Rahmen eines Risikomanagements. Gekauft wird am Terminmarkt, an dem die Preise täglich schwanken. Auf dem sogenannten Spotmarkt werden dann kurzfristig die restlichen Mengen beschafft – etwa für den kommenden Tag oder die nächste Woche.

Welche Abgaben und Umlagen sind im Strompreis enthalten?

Alle Entgelte, Abgaben und Umlagen (ohne Beschaffung und Vertrieb) im Überblick:

 

Im Strompreis enthalten

(netto zzgl. MwSt.)

2019er Werte

2020er Werte

1.  Netznutzungsentgelt1

7,661 Cent/kWh

8,681 Cent/kWh

2. EEG-Umlage

6,405 Cent/kWh

6,756 Cent/kWh

3. Aufschlag KWKG

0,280 Cent/kWh

0,226 Cent/kWh

4. Offshore-Netzumlage

0,416 Cent/kWh

0,416 Cent/kWh

5. Sonderkunden-Umlage

0,305 Cent/kWh

0,358 Cent/kWh

6. Abschaltbare-Lasten-Umlage

0,005 Cent/kWh

0,007 Cent/kWh

7. Stromsteuer

2,050 Cent/kWh

2,050 Cent/kWh

8. Konzessionsabgabe

1,590 Cent/kWh

1,590 Cent/kWh

Summe

18,712 Cent/kWh

20,084 Cent/kWh

 1 Bei einem Jahresverbrauch von 2.000 kWh

 

  1. Netznutzungsentgelt: Stromlieferanten, die das Netz eines Netzbetreibers für die Durchleitung von Strom bis zu ihren Kunden nutzen, müssen dafür ein vorab festgelegtes Entgelt zahlen – die Netzentgelte. Die Höhe der Netzentgelte ist bundesweit sehr unterschiedlich; sie hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel Bodenbeschaffenheit, Geologie, Besiedelungsdichte. In Hessen werden die Netzentgelte von der Landesregulierungsbehörde festgelegt – jeweils für einen bestimmten Zeitraum, genannt Regulierungsperiode. Die aktuelle Regulierungsperiode geht von 2018-2023.
  2. EEG-Umlage: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zur Förderung regenerativer Energieerzeugung schafft Investitionssicherheit. Es garantiert Ökostromerzeugern zwanzig Jahre lang feste Vergütungssätze für eingespeiste Kilowattstunden. Die Differenz zwischen Marktpreis und Vergütung zahlen Stromverbraucher in Form der EEG-Umlage.
  3. Aufschlag für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Mit dieser auf Netzentgelte erhobenen Umlage werden Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung gefördert. Die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme macht diese Technik sehr effizient.
  4. Offshore-Netzumlage: Sie dient dazu, Investoren von Windkraftwerken auf dem Meer zu entschädigen, sollten sie den Strom ihrer Anlagen nicht einspeisen können, weil sich die Netzanbindung verzögert. Die Netzumlage deckt zudem Kosten für den Bau und Betrieb von Anbindungsleitungen.
  5. Sonderkunden-Umlage: Stromintensive Betriebe zahlen keine Netznutzungsentgelte. Die daraus resultierenden Mindereinnahmen der Netzbetreiber tragen alle anderen Verbraucher.
  6. Abschaltbare-Lasten-Umlage: Mit dieser Umlage werden Verbraucher entschädigt, die Geräte oder Prozesse abschalten, wenn der Bedarf an Strom größer ist, als das Angebot im Netz. Das dient der Netzstabilität.
  7. Stromsteuer:
    Die Stromsteuer ist eine durch das Bundesgesetz geregelte Verbrauchssteuer. Besteuert wird der Verbrauch von elektrischem Strom. Die Stromsteuer wird auch als „Ökosteuer“ bezeichnet. Sie wird seit 1999 zur Senkung der Lohnnebenkosten erhoben. Etwa 90 Prozent der Einnahmen aus der Stromsteuer fließen in die Rentenkasse. Dadurch konnte der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberanteil an den Beiträgen zur Rentenversicherung abgesenkt werden. Ziel des Gesetzgebers war es bei der Einführung der Steuer außerdem, Anreize zum Stromsparen zu schaffen. Die Stromsteuer ist seit Jahren unverändert und beträgt 2,050 Cent pro Kilowattstunde.
  8. Konzessionsabgabe: Diese Abgabe zahlen Netzbetreiber an Kommunen in ihrem Netzgebiet für das Recht, öffentliche Wege für Versorgungsleitungen nutzen zu dürfen. Im Durchschnitt schlägt die Konzessionsabgabe in Bad Nauheim im Jahr 2020 mit 1,59 Cent pro Kilowattstunde zu Buche.