Intelligent steuern mit „smartem E-Loading“
Elektromobilität weitergedacht: Stadtwerke Bad Nauheim setzen bei Pilot-projekt mit Autohaus Marnet auf steuerbares Lastmanagement für E-Ladesäulen
Bad Nauheim. Bisher war die Gleichung einfach: Wer eine E-Ladestation plant, braucht einen stärkeren Anschluss ans öffentliche Stromnetz, um die notwendige Leistung auch beziehen zu können. Die Stadtwerke Bad Nauheim gehen für die örtliche Niederlassung des Autohauses Marnet einen innovativen Weg. Dort tut seit wenigen Wochen ein intelligentes Lastmanagement-System seinen Dienst. „Auf diese Weise erspart sich das Autohaus Netzausbau-Kosten im sechsstelligen Bereich – einfach, indem die verfügbare Leistung clever gesteuert wird“, erläutert Klaus Tripke, Vertriebsleiter der Stadtwerke Bad Nauheim. Mit dieser Lösung sei man bei Unternehmen und in der Immobilienwirtschaft bereits auf offene Ohren gestoßen: „Mehr als 80 Prozent aller Ladevorgänge finden zu Hause oder im Betrieb statt. Private und halb-öffentliche Ladelösungen sind deshalb gerade sehr stark nachgefragt“, erläutert er.
Last verteilen mit System
„In innovativen, digitalen Lösungen wie dem Lastmanagement-System steckt großes Potenzial, um Umweltschutz, Effizienz und Kostenersparnis miteinander zu vereinen“, sagt Klaus Tripke. Im Kern des Lademanagements, das die Stadtwerke in der hessischen Kurstadt für das Autohaus zum Einsatz bringen, steht eine Steuereinrichtung. Sie sorgt dafür, dass E-Fahrzeuge an den fünf neuen Ladestationen auf dem Betriebsgelände nur dann geladen werden, wenn genügend Leistung über den Hausanschluss zur Verfügung steht. So wird eine Überlastung des Netzanschlusses ausgeschlossen. „Der Strombedarf des Autohauses schwankt sowohl im Tagesverlauf als auch saisonal. Der Hausanschluss selbst ist allerdings begrenzt. Würden bei einem hohen allgemeinen Strombedarf an allen Stationen gleichzeitig Fahrzeuge laden, stünde nicht genügend Leistung zur Verfügung“, erklärt Klaus Tripke. Die Ladeleistung der E-Fahrzeuge pauschal zu drosseln, würde allerdings die Ladedauer unnötig verlängern. Stattdessen wird mit dem intelligenten System den Ladesäulen jeweils so viel Leistung zugestanden, wie aktuell zur Verfügung steht. „Mit diesem gemeinsamen Pilotprojekt tragen wir dazu bei, die Elektromobilität noch attraktiver zu machen und die Verkehrswende für Bad Nauheim einen Schritt voranzubringen“, betont Klaus Tripke und ergänzt: „Das Interesse ist bereits groß am smarten E-Loading, das wir erstmalig und erfolgreich beim Autohaus Marnet eingesetzt haben“.
Autohaus Marnet: Mit gutem Beispiel voran
Mit dem Lastmanagement für E-Mobilität kann das Autohaus Marnet die Kosten für die Installation der E-Stationen deutlich senken: Weil keine Investition in eine Trafostation notwendig wird, entfallen Investitionskosten in sechsstelliger Höhe. Das hat zwei Vorteile: „Erstens werden Vorgaben seitens des Volkswagenkonzerns an seine Vertragsautohäuser deutlich kosteneffizienter erfüllt. Zweitens kann das Autohaus vor allem Flottenkunden gleich vor Ort präsentieren, wie intelligentes Lademanagement in der Praxis aussieht“, betont Klaus Tripke. Im Falle des Autohauses sind Ladepunkte sowohl in der Werkstatt und der Auslieferungshalle installiert wie auch auf dem Kundenparkplatz. Die halb-öffentlichen Stationen stehen Mitarbeitern, Kunden und Dritten gleichermaßen zur Verfügung, dort kann mit 22 Kilowatt Wechselstrom oder 24 Kilowatt Gleichstrom geladen werden. Die Stadtwerke Bad Nauheim kümmern sich um die Betriebsführung, Wartung, Entstörung und Abrechnung sämtlicher Ladepunkte. Sie sind an das Backend des kommunalen Unternehmens angeschlossen.