Neuer Erdgaspreis für mehr Klimaschutz

Stadtwerke Bad Nauheim erhöhen Gastarife um gesetzlich vorgegebenen CO2-Preis – Strompreis bleibt stabil – Mehrwertsteuer steigt wieder

Bad Nauheim. Das globale Klima braucht mehr Schutz. Dazu hat sich die Bundesregierung auf internationaler und nationaler Ebene verpflichtet. Mit der Einführung der sogenannten CO2-Bepreisung macht Deutschland einen wichtigen Schritt für den Klimaschutz in den Sektoren Wärme und Verkehr. Klaus Tripke, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Bad Nauheim, erläutert: „Ab Januar sind wir gesetzlich verpflichtet, für den Treibhausgas-Ausstoß unserer Wärmeprodukte Emissionsrechte in Form von Zertifikaten zu erwerben.“ Aus diesem Grund wird Erdgas auch für Kundinnen und Kunden der Stadtwerke zum Jahreswechsel erstmals seit fast zehn Jahren teurer, „und zwar genau um den gesetzlich geforderten CO2-Preis“, betont er. Dieser Entscheidung haben die Stadtwerke-Gremien am 2. November zugestimmt. In allen Erdgastarifen werden daher ab 1. Januar brutto 0,54 Cent pro Kilowattstunde mehr fällig. Auch greift dann wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden Erdgas bedeuten die neuen Erdgaspreise monatliche Mehrkosten von rund 10,70 Euro inklusive Steuer.

„Der Schutz unseres Klimas ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die auch wir als Stadtwerke uns vielfältig und seit Jahren engagieren. Dass mit dem neuen Brennstoff­emissionshandelsgesetz, kurz BEHG, auch der Wärmemarkt und der Verkehrssektor zur Kasse gebeten werden, ist da nur konsequent“, sagt Peter Drausnigg, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Nauheim. Bei Strom gelte das bereits seit 2005. „Allerdings müssen wir dadurch erstmals seit rund einem Jahrzehnt unsere Erdgaspreise erhöhen. Wir versorgen unsere Kunden auch weiterhin so günstig wie möglich mit Energie“, erläutert er. Bei den Strompreisen haben die Stadtwerke indes gute Nachrichten für ihre Kundinnen und Kunden: „Wir halten die Preise in allen Stromtarifen zumindest bis zum Frühjahr stabil“, unterstreicht Vertriebsleiter Klaus Tripke.

CO2-Preis: Anreize für Autofahrer und Wärmemarkt

Bis Mitte des Jahrhunderts soll Deutschland CO2-neutral sein. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, wird die CO2-Bepreisung ab 2021 auf die Bereiche Verkehr und Gebäude ausgeweitet. Die Umweltwirkung von Heizen und Autofahren bekommt damit jetzt auch ein Preisschild. So sollen Bürger und Unternehmen motiviert werden, klimaschonende und effizientere Technologien, wie etwa Wärmepumpen oder Elektromobilität, einzusetzen. Die Kosten pro Tonne CO2 sind gesetzlich festgelegt: 2021 kostet eine Tonne Emissionsrecht 25 Euro. Der Preis steigt jährlich bis 2025 schrittweise auf 55 Euro pro Tonne. Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung werden 1:1 an den Staat durchgereicht.

Der Gesetzgeber entlastet Verbraucherinnen und Verbraucher im Gegenzug an zwei Stellen: Für Menschen, die 21 Kilometer und mehr zur Arbeit fahren, steigt die Pendlerpauschale. Zum anderen findet eine finanzielle Entlastung beim Strom statt: Die Umlage für erneuerbare Energien (EEG) sinkt zum 1. Januar 2021 auf 6,5 Cent.

Wärmewende nimmt Fahrt auf

„Mit dem BEHG erfährt die Wärmewende in Deutschland nun einen wichtigen Impuls“, ordnet Peter Drausnigg ein. Momentan stammt rund die Hälfte der jährlichen CO2-Emissionen in Deutschland aus der Beheizung von Gebäuden. Das muss sich in den nächsten 30 Jahren ändern. Denn bis dahin soll der Energiebedarf von Häusern um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Das kann nur gelingen, wenn nach und nach die mit fossilen Energieträgern betriebenen Heizungsanlagen durch zukunftsweisende, regenerative Wärmelösungen ersetzt werden. Für Bad Nauheim entwickeln die Stadtwerke daher Konzepte, wie die Wärmewende und der Umstieg im Verkehrssektor auf lokaler Ebene rasch gelingen kann. „Kalte Nahwärme spielt dabei ebenso eine Rolle wie etwa die Elektromobilität – beides Betätigungsfelder, auf denen wir derzeit sehr aktiv sind“, betont er. Darüber hinaus unterstützen die Stadtwerke Unternehmen und Haushalte bei der eigenen Energiewende mit Contracting-Modellen für Heizung, Solaranlage und Beleuchtung sowie mit Angeboten rund um die Elektromobilität.

CO2-sparen lohnt – nicht erst mit der Einführung des bundesweiten CO2-Preises. Bei den Stadtwerken Bad Nauheim legt man bereits länger Wert auf CO2-Neutralität, zum Beispiel in Bad Nauheim Süd; im Bild Sebastian Böck, Projektleiter Kalte Nahwärme.

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