News im Bereich Energieversorgung

Neue Bäume für den Goldsteinpark und Stadtwald

Bad Nauheim. Im Wäldchen des Goldsteinparks und im Stadtwald mussten in den vergangenen Jahren viele Bäume gefällt werden. Durch die langen Dürreperioden als Folge des Klimawandels wurden unter anderem Birken, Buchen und Ahorne stark geschwächt. Hierdurch konnte sich die Rußrindenkrankheit, eine Pilzinfektion, ausbreiten. Sie ist gesundheitsgefährdend für den Menschen, da sich in der Luft verteilende Sporen schwere Atemwegsprobleme verursachen können. Auch der Borkenkäfer, der insbesondere Nadelbäume befällt, konnte sich wegen der Trockenheit stärker vermehren. Die befallenen Bäume müssen gefällt werden, da die Standsicherheit gefährdet sein kann.

Rund 500 Bäume für Goldsteinpark

Bürgermeister Klaus Kreß betont: »Jede Fällung tut uns weh, gerade um die sehr alten Bäume ist es schade. Die kahlen Flächen wurden und werden aber wieder aufgeforstet. Dazu kooperieren wir künftig mit dem ›Klimafairein Oberhessen e.V.‹. Unser neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Nauheim, Dr. Thorsten Reichel, hatte die Idee, die Aufforstung gemeinsam anzugehen. Er vertritt privat zusammen mit Unternehmer Mark Philippi aus Mücke den Verein.«

Der »Klimafairein« initiiert Projekte, um sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit starkzumachen. So ist das große Ziel, bis 2030 eine Million Bäume für die Region zu pflanzen oder den Bestand zu schützen. Der Verein nimmt dazu Kontakt zu Kommunen auf, stimmt mit Grundstückseigentümern geeignete Flächen ab, kümmert sich um Landeszuschüsse und koordiniert die Pflanzaktion. Dabei arbeiten die Mitglieder eng mit den Experten von Hessen Forst zusammen, die Landesbehörde, die den Wald pflegt und bewirtschaftet.

Der ›Klimafairein‹ ist eine Gemeinschaft von Menschen, die erkannt haben, dass man nur gemeinsam etwas für das Klima und den Umweltschutz tun kann und auch tun muss«, erklärt Reichel. »Für jede neue Mitgliedschaft pflanzen wir zudem einen Baum.« Am Montag machten sich Kreß, Reichel und die Fachbereichsleiter Steffen Schneider und Matthias Wieliki ein Bild von der geplanten Pflanzfläche im Goldsteinpark. »Hier mussten auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern aufgrund der Rußrindenkrankheit viele Bäume weg. Der dichte Bestand im Goldsteinpark, angrenzend an das Wohngebiet, wird mit rund 500 Bäumen aufgeforstet«, erläutert Schneider.

Die groß angelegte Pflanzaktion im Goldsteinpark startet im Herbst 2021, der Stadtwald ist 2022 an der Reihe. Dort sollen auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern in der Nähe der Waldteiche etwa 900 neue Bäume, Elsbeere, Baumhasel und Feldahorn, gepflanzt werden. Sie eignen sich gut, da sie als klimaresistentere Sorten die Trockenheit besser vertragen.

Bürger können sich beteiligen

Sobald es die Pandemie zulässt, plant der Verein im Goldsteinpark und im Stadtwald gemeinsame Pflanzaktionen mit Bad Nauheimer Bürgern. Die Verpflegung der Teilnehmenden übernimmt der Verein.

»Wir möchten den ›Klimafairein‹ und damit den Klimaschutz aktiv unterstützen, deshalb sind wir als Stadt und Stadtwerke beigetreten. Es ist für beide Seiten eine Win-win-Situation, da nicht nur der Verein wächst, sondern auch Lücken in unserem Baumbestand geschlossen werden und dies gleichzeitig einen hohen mikroklimatischen Wert für Bad Nauheim hat«, erläutert Bürgermeister Kreß. »Diese Maßnahme passt auch perfekt zu uns als ›Klima-Kommune‹. Die Stadt hat die Charta ›Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen‹ unterzeichnet und ist damit auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in diesem Monat dem Bündnis beigetreten.«

Der Verein bietet mit dem Programm »fairstehen« zudem Unterrichtseinheiten, Projekttage, Workshops und Klimacamps an, um das Klima-Engagement von Kindern und Jugendlichen zu stärken und die Umweltbildung in den Schulen und Kitas zu ergänzen. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite www.klimafairein.de.

 

Aufforstung Goldsteinpark

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Dr. Thorsten Reichel wird neuer Geschäftsführer

Bad Nauheim. Bei den Stadtwerken Bad Nauheim steht ein Wechsel an der Spitze an: Dr. Thorsten Reichel wird zum 1. April die Geschäftsführung übernehmen. Nach intensiver Personalsuche votierte der Aufsichtsrat einstimmig für den 53-Jährigen. Er folgt damit auf Peter Drausnigg, der nach knapp 5-jähriger Leitungstätigkeit zu den Stadtwerken Stuttgart wechselt.

Zur Person des neuen Geschäftsführers

Dr. Thorsten Reichel hat an der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Studium der Rechtswissenschaften absolviert, bevor er als Fachanwalt für Steuerrecht tätig war und seine berufliche Laufbahn anschließend bei der Oberhessischen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (OVAG) erfolgreich entwickelte. Hier hatte er mehrere Leitungsfunktionen in den Bereichen Konzernangelegenheiten, Recht und Kommunalmanagement inne und war Prokurist.

Neben seiner langjährigen Branchenkompetenz bringt Herr Dr. Reichel hohe Kompetenz und Erfahrung aus diversen technischen Projekten mit. Er befasste sich intensiv mit der Umsetzung gesetzlicher und sonstiger Markvorgaben, wie beispielsweise der Einführung des intelligenten Messwesens und der Einrichtung von Ladeinfrastruktur für E-Mobilität.

Hervorzuheben sind auch seine Geschäftsführungstätigkeiten bei der Wettertal Netz Bad Nauheim GmbH & Co. KG sowie der smartSTADTwerke GmbH & Co.KG, bei denen sowohl eine hohe technische Affinität als auch strategische Fähigkeiten für neue Geschäftsmodelle von ihm gefordert waren.

Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Klaus Kreß zur Personalentscheidung: „Ich habe Herrn Dr. Reichel als einen sehr engagierten sowie ambitionierten und gleichzeitig emphatischen Bewerber kennengelernt, den ich für einen perfekten Geschäftsführer halte, da er über langjährige und breite Branchenerfahrung mit Schwerpunkten in regulierten und kommunal geprägten Märkten in der Energiewirtschaft verfügt. Nicht zuletzt auch wegen seiner regionalen Branchenverankerung, die er auch im eher privaten Bereich durch die Gründung der Bürgergenossenschaft ‚Hallenbad Mücke e.G.‘ zeigt.“

Projekte des Versorgungsunternehmens

Die Stadtwerke Bad Nauheim sind der regionale Energieversorger für die Bürger*innen Bad Nauheims. Das Unternehmen betreibt in der Kernstadt und in Nieder-Mörlen das Stromnetz und im gesamten Stadtgebiet das Trinkwasser- und Erdgasnetz sowie High-Speed-Internet. In den nächsten Jahren wird der Fokus weiter auf dem stetigen Glasfaserausbau für eine leistungsstarke und schnelle Internetverbindung liegen sowie auf nachhaltigen Energielösungen für Quartiere. Ein aktuelles Beispiel ist die Kalte Nahwärme, die im neuen Wohngebiet Bad Nauheim Süd für eine klimaschonende, CO2-neutrale Versorgung mit Wärme und Warmwasser sorgt. Weiter werden die Neukonzeptionierung und Ausschreibung des Stadtbusses im Hinblick auf alternative Antriebsvarianten sowie neue Mobilitätslösungen wegweisende Projekte sein. Mobilitätshubs etwa mit E-Car- und E-Bike-Sharing-Angeboten sind hierfür Beispiele. Digitalisierungsprojekte, die Versorgung von Neubaugebieten mit umweltfreundlichen und zukunftsweisenden Technologien, das Contracting über Photovoltaikanlagen und BHKW oder der Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität sind weitere wichtige Vorhaben.

„Ich möchte den innovativen Kurs der Stadtwerke erfolgreich fortsetzen und meine Impulse und Ideen in richtungsweisenden Projekten einbringen. Für das Gelingen ist die vorhandene, umfangreiche Kompetenz der Belegschaft der Stadtwerke der entscheidende Erfolgsfaktor. Mir ist es daher besonders wichtig, meine künftigen Mitarbeiter*innen einzubinden und mitzunehmen“, erklärt Dr. Reichel. Nachhaltige und ökologische Themen liegen dem künftigen Geschäftsführer ebenso am Herzen. Das zeigt sich auch in seinem privaten Engagement im „klimafairein Oberhessen e.V.“

Ablauf des Auswahlverfahrens

Dieses startete im Dezember durch das Personal-Marketing Unternehmen pro search, das geeignete Kandidatinnen und Kandidaten direkt kontaktierte. Nach persönlichen Interviews wurde der Kandidatenkreis eingegrenzt. Sechs Bewerber*innen stellten sich Ende Januar einem strukturierten und professionellen Assessment-Center, das von Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit, konzeptioniert und durchgeführt wurde. Die zwei erfolgreichsten Kandidaten präsentierten sich Anfang Februar dem Aufsichtsrat der Stadtwerke. „Dr. Reichel konnte sich gegen seine Mitbewerber*innen klar durch­setzen“, fasst der Bürgermeister zusammen.

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„Licht an“ in Friedberg

Friedberg/Bad Nauheim. „Wir haben Licht auf der Leitung“, lautet die erfreuliche Nachricht für Friedberg. Dort können die Bewohner der Neubauten am Steinern Kreuzweg jetzt ultraschnell im Internet surfen. Möglich macht dies die Kooperation zwischen den Stadtwerken Friedberg und den Stadtwerken Bad Nauheim. Dirk Antkowiak, Bürgermeister von Friedberg, betont bei der Inbetriebnahme am Donnerstag (26. November): „Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie elementar wichtig ein leistungsfähiges Internet ist, damit Lernen und Arbeiten auch auf Distanz funktioniert. Dank dieser partnerschaftlichen interkommunalen Zusammenarbeit konnten wir dies hier schnell realisieren.“ Amtskollege Klaus Kreß, Bürgermeister von Bad Nauheim, pflichtet dem bei: „Wir ziehen an einem Strang für die Wohn- und Lebensqualität der beiden Städte. Wir freuen uns, dass unsere Stadtwerke mit ihrem Know-how beim Aufbau und Betrieb eines ultraschnellen Glasfasernetzes unterstützen.“ Neben den Bürgermeistern machten sich auch Simone Güldner, Leiterin der Finanzen der Stadtwerke Bad Nauheim, und Klaus Detlef Ihl, Betriebsleiter der Friedberger Stadtwerke, ein Bild am sogenannten Point-of-Presence, kurz POP. Von dort wird künftig das Lichtsignal an die Haushalte im Friedberger Neubaugebiet verteilt.     

Erfolgreich angeschlossen

Das gemeinsame Pilotprojekt der beiden städtischen Unternehmen startete mit dem Aufbau des Glasfasernetzes im Baugebiet auf Friedberger Gemarkung. Damit das Lichtsignal vom POP in Friedberg aber auch ankommt, haben die Stadtwerke Friedberg zudem eine knapp zwei Kilometer lange Trasse in Richtung Bad Nauheim gebaut. Die Verbindung wurde dann in Bad Nauheim Süd an das bestehende Glasfasernetz der Gesundheitsstadt angedockt. „Die Aktivkomponente ist angeschlossen. Wir können jetzt die ersten Eigentümer mit einer Anbindung bis zu 10 Gigabit versorgen“, erklärt Sascha Kammer, der als Breitband-Techniker für die Stadtwerke Bad Nauheim tätig ist. Die Experten aus der Kurstadt betreiben künftig das Netz und kümmern sich um die sichere Versorgung der aktuell rund 80 angeschlossenen Gebäude. „Die Nachfrage nach Wohnraum und auch nach Glasfaseranschluss am Steinern Kreuzweg ist groß. Wir gehen von einer 100-prozentigen Anschlussdichte aus“, sagt Klaus Detlef Ihl. Peter Drausnigg, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Nauheim betont zudem: „Eine schnelle und stabile Glasfaserverbindung ist mittlerweile sogar die Grundvoraussetzung bei der Wahl des Wohnortes. Es bietet schlichtweg mehr Lebensqualität.“

Alle Rädchen greifen ineinander

Die Projektbeteiligten zeigen sich zufrieden mit dem Ergebnis des Pilotprojekts: „Abstimmung und Zusammenarbeit haben prima funktioniert“, betont Klaus Detlef Ihl. Darum hegen die beiden Stadtwerke-Chefs bereits weitere gemeinsame Zukunftspläne: „Der Steinern Kreuzweg war der Anfang. Unser Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren die restlichen sogenannten weißen Flecken zu schließen und eine flächendeckende Glasfaserversorgung zu realisieren“, betont Klaus Detlef Ihl. Unter weißen Flecken versteht man Gebiete, die bisher nur langsame Internetverbindung haben.

Innovative, zukunftsweisende Technologien

„Gemeinsam haben wir mit dem Projekt einen großen Schritt in die digitale Zukunft gemacht“, sagt Peter Drausnigg und ergänzt: „Auch erfreulich ist für uns, dass wir unsere Glasfasernetz-Bestseller gemeinsam mit den Stadtwerken Friedberg nun auch den Friedbergern anbieten können. Eine 10-Gigabit-Bandbreite ermöglicht innovative Technologien wie Smart Home und Internet der Dinge. Und auch PC-Spiele mit hochauflösenden Graphiken laufen damit einwandfrei.“ Die Stadtwerke Bad Nauheim vermarkten das Glasfasernetz und bieten individuelle Pakete an: „Wer nicht ganz so viel Datenvolumen braucht, für den haben wir unterschiedliche Größen von 100 Megabit bis 400 Megabit Geschwindigkeit im Download.“ Darüber hinaus ist auch eine Telefon-Flatrate sowie die Nutzung von IP-TV möglich.

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Stadtwerke-Chef wird zu neuen Aufgaben gerufen

Bad Nauheim. Fast fünf Jahre hat Peter Drausnigg als Geschäftsführer der Stadtwerke Enormes für Bad Nauheim bewegt, nun rufen ihn neue Aufgaben. Am Donnerstag, den 3. Dezember, informierte er offiziell über seinen Wechsel in die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, räumt der 56-jährige Ingenieur ein. Lachend, weil als technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart Aufgaben anstünden, für die sein Wirken in Bad Nauheim quasi das Vorbild im Kleinen seien. Das weinende Auge betrifft die Stadt, in der er eine neue Heimat gefunden habe. Deshalb behalte er seinen Wohnsitz in der Kurstadt auch bei.
Klaus Kreß, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der örtlichen Stadtwerke, bedauert die Entscheidung. „Peter Drausnigg hat hier nicht nur wegweisende Projekte auf den Weg gebracht – er hat die Energiewende als auch die Digitalisierung für uns greifbar und erlebbar gemacht“, würdigt das Stadtoberhaupt Peter Drausniggs dynamisches Wirken der vergangenen Jahre. In Anbetracht der Verdienste des Stadtwerke-Chefs komme er dessen Wunsch nach einer Vertragsauflösung für einen beruflichen Wechsel gerne nach – wenn auch schweren Herzens. Denn Bad Nauheim habe enorm gewonnen in den zurückliegenden Jahren, dazu gehören der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur oder innovative und bundesweit beachtete Projekte wie die Kalte-Nahwärme-Versorgung im Süden der Stadt. Auch die Idee, ganzheitliche Versorgungslösungen über die reine Energielieferung anzubieten, fällt in die Drausnigg-Ära bei den Stadtwerken Bad Nauheim und erweitert deren Portfolio an Leistungen – die für den wirtschaftlichen Fortbestand des Unternehmens immens wichtig sind.

Bad Nauheim gut und smart für Zukunft gerüstet

Auch die Weichen für die Energiewelt der Zukunft in der Kurstadt sind gestellt: mit Mobilitätsangeboten wie dem E-Car-Sharing, öffentlich verfügbarem WLAN und einem weitreichend Glasfasernetz in der Stadt. Ebenfalls im Aufbau ist ein flächendeckendes Funknetz mit LoRaWAN, kurz für Long Range Wide Area Network, ist bereits umgesetzt und findet erste nützliche Anwendungen. Im Zusammenspiel mit Glasfaser werden so ultraschnelle Datenübertragung und Anwendungen wie Echtzeit-Übertragung von Verbrauchs- und Erzeugungs- oder Verkehrsinformationen erst möglich und schaffen so die Voraussetzungen für Energie- und Mobilitätskonzepte von morgen.
Peter Drausnigg wird im Laufe des März ausscheiden. „Ihr Nachfolger wird ein gut bestelltes Feld vorfinden“, unterstreicht Klaus Kreß. Die Suche laufe bereits mit Hochdruck, denn dem Aufsichtsrat liege an einem geregelten Übergang, um den eingeschlagenen Weg auch zukünftig so erfolgreich weiter zu beschreiten.

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Gemeinsam für die Artenvielfalt

Bad Nauheim. Eine grüne Lunge zwischen Wohngebiet und Landwirtschaft – der Säckelgraben ist das Wasserschutzgebiet bei Nieder-Mörlen, das die Stadtwerke Bad Nauheim jetzt nach Empfehlungen des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hegen und pflegen. „Wir legen schon viele Jahre großen Wert auf Umweltschutz und nachhaltiges Handeln. Erfahrung und neue Erkenntnisse helfen uns, beides immer mehr auszuweiten“, sagt Peter Drausnigg, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Nauheim, und betont: „Darum ist für uns auch der Dialog mit dem BUND von besonderer Wichtigkeit. Dessen Hinweise haben wir ernst genommen und im Säckelgraben in die Tat umgesetzt.“ Davon überzeugt haben sich jetzt Vertreter des BUND und der Stadtwerke Bad Nauheim bei einer gemeinsamen Begehung auf der Streuobstwiese im Säckelgraben: Vor Ort waren Dr. Stefan Nawrath und Ann Neudek, Vorstandsmitglieder des BUND, sowie Peter Drausnigg, Jens Schikowski, Wassermeister bei den Stadtwerken Bad Nauheim, und Thomas Flor, Landschaftsgestalter für die Stadtwerke. Der BUND war sichtlich positiv beeindruckt: „Die Stadtwerke Bad Nauheim haben eine Vorbildfunktion eingenommen. Selten haben wir erlebt, auf so offene Ohren zu stoßen und eine so konsequente Umsetzung“, sagt Dr. Stefan Nawrath.  

 Mähkonzept umgestellt

„Der Säckelgraben ist ein herausragender Lebensraum für die Fauna“, sagt Thomas Flor, und fügt hinzu: „Die Stadtwerke haben auf Anraten des BUND ihr Mähkonzept umgestellt, damit die Wiese wieder artenreicher wird.“ Statt einer Mulchmahd, bei der das Schnittgut nicht von der Wiese abgetragen wird, praktizieren die Stadtwerke nun eine Heumahd. „Wir rechen das getrocknete Gras ab, damit sich nicht nur starkwüchsige Gräser durchkämpfen können, sondern auch unterschiedlichste Blühpflanzen, die Nahrung für Kleinstlebewesen sind. Zur Unterstützung haben wir hierfür mit heimischem Saatgut noch zusätzlich Wildblumen gesät“, erklärt Thomas Flor. Zum Schutz der etwas größeren Lebewesen, wie etwa Igel, wird künftig vor dem Mähen eine Wärmebildkamera eingesetzt. „Im Mai findet der erste Schnitt des Jahres der Wiese statt. Mit der Wärmebildkamera gehen wir über die Wiese; damit erkennen wir die Jungtiere im Gras leicht“, sagt Thomas Flor. Beim zweiten Schnitt Ende September wurde die Wiese vor dem Mähen zu Fuß abgegangen und per Auge ordentlich inspiziert, damit Igel und Co. nichts geschieht. „Das Abrechen des Heus kostet sehr viel mehr als das Mulchen“, sagt Peter Drausnigg, „aber das ist es uns wert. Es nützt der Artenvielfalt und verbessert damit nicht nur die Lebensqualität der Tiere, sondern indirekt auch die von uns Menschen.“ Der Säckelgraben ist Wasserschutzgebiet, Zone I. Hier sind die Trinkwasserbrunnen, aus denen die Stadtwerke Bad Nauheim jährlich 450.000 m³ Trinkwasser für die Bevölkerung fördern. „Hier gilt es, besonders sorgsam mit der Umwelt umzugehen, um das Grundwasser zu schützen“, sagt Peter Drausnigg. 

Wohnraum für Igel, Hasen, Kauz und Specht

Neben Igeln und Hasen beherbergt der Säckelgraben auch inzwischen bei uns selten gewordene Bewohner. „Wir lassen abgestorbene Bäume stehen und bieten damit einer Vielzahl von Vögeln Lebensräume, wie dem Steinkauz“, sagt Thomas Flor. Die zweitkleinste Eulenart Deutschlands bevorzugt alten Baumbestand. Als wir vor knapp drei Wochen einen Teil der Bäume geschnitten haben, kam einer gerade aus seiner Höhle geflogen“, erzählt Thomas Flor. 200 Bäume befinden sich auf dem Areal im Säckelgraben, darunter sind auch ein paar, die zwar ihre Lebenszeit bereits hinter sich haben, aber auch als Totholz Tieren nützlich sind. Der Landschaftsgärtner unternahm im ersten Durchgang einen sogenannten Lichtraumprofilschnitt, um genügend Raum für Bewegung zu schaffen; im zweiten Durchgang kommt der Erziehungsschnitt, damit die Bäume gesund und fruchtbar bleiben. Die toten Bäume bleiben drin. „Wir werden künftig alle drei Jahre jeweils einen Teil der Bäume schneiden. So sorgen wir einerseits für einen sicheren Stand sowie eine gute Entwicklung der Bäume und andererseits für wichtigen Wohnraum von allerhand Tierarten, wie beispielsweise auch für den Specht.“ Der BUND bestätigt das Vorgehen. Als weitere Optimierung schlägt er vor, künftig knapp zehn Prozent der Fläche im Herbst nicht abzumähen. Verwelkte Blütenstände würden sich als Kinderstube der Insekten für das kommende Jahr prima eignen, meint Ann Neudek.

Apfelsaft und Co.  

Die Streuobstwiese der Stadtwerke im Säckelgraben bieten noch eine Besonderheit, die gleichzeitig ein Herzensprojekt ist: Traditionell lesen die Stadtwerke-Mitarbeiter gemeinsam jedes Jahr die Äpfel der rund 60 Apfelbäume auf. Mit entsprechendem Abstand zueinander konnten auch in diesem Jahr knapp 2,7 Tonnen Äpfel aufgesammelt werden, die von der Mosterei zu Saft, Apfelwein und Apfelsecco verarbeitet wurden. „Wir sind stolz auf unsere eigenen Produkte“, sagt Peter Drausnigg und ergänzt: „Sie spiegeln unsere Philosophie wider: Regionalität und gelebter nachhaltiger Umweltschutz sind uns wichtig.“

Wertvolle Wiese für Lebewesen und Trinkwasserversorgung – v.l.n.r. Stefan Nawrath (Vorstand BUND), Thomas Flor (Garten- und Landschaftsbau), Ann Neudek (Vorstand BUND), Peter Drausnigg (Geschäftsführer Stadtwerke Bad Nauheim), Jens Schikowski (Wassermeister Stadtwerke Bad Nauheim)

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